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Tübingen

Foto: RTF.1
Theologischer Workshop „Religion & extreme Rechte“

Zahlreiche Theologen und andere Sozialwissenschaftler haben sich über die letzten zwei Tage am Theologicum der Universität Tübingen zusammengefunden. Der Anlass: Der Workshop „Religion & extreme Rechte“. Ziel war eine Verarbeitung des aktuellen gesellschaftlichen Rechtsdrucks, sowohl in der Politik, als auch in christlichen und islamischen religiösen Gemeinschaften.

Die grauen Wölfe sind bis heute eine einflussreiche, ultranationalistische und türkisch-islamisch-identitäre Bewegung in der Türkei. Doch sie waren nicht immer klar religiös behaftet. Erst einige Jahre nach ihrer Gründung begannen die Wölfe, sich als explizit islamisch zu verstehen. Laut Redner Monzer Haider ging es dabei vor allem um Rekrutierung. Eine Allianz zwischen Politik und Religion für ein größeres Publikum. Genau mit solchen Strömungen setzt sich der Workshop im Theologicum auseinander.

"Wir meinen Bewegungen die politisch werden", erklärt Prof. Matthias Möhring-Hesse von der katholisch-theologischen Fakultät. "Es gibt viele rechte Bewegungen, die religiös bleiben. Aber hier werden Bewegungen angesprochen, die ins politische Feld treten. Und es sind Bewegungen gemeint, die von politisch extremer Rechte in Anspruch genommen werden. Die mobilisiert werden können, ausgebeutet werden können, gemolken werden können."

Vor allem im christlichen Kontext seien solche Strömungen weit verbreitet. Eine weitere Präsentation befasst sich beispielsweise mit der katholischen Neo-Integralismus-Bewegung, der wichtige Politiker wie der amerikanische Vize-Präsident J.D. Vance angehören und die die Interessen der Kirche über die von Staat und Menschen stellt. Der Workshop will diese Ströme in einen gemeinsamen Kontext rücken und sie aufarbeiten.

"Die Idee ist tatsächlich dass wir A, innerhalb der Tübinger Theologien das Thema präsenter machen wollen, dass wir auch zeigen wollen, es passiert Auseinandersetzung mit religiösen Spielarten der extremen Rechten", so Mitorganisator Hand-ulrich probst, "und wir wollen auch, B, in die Öffentlichkeit wirken und eine höhere Sichtbarkeit für die Verbindungslinien der extremen Rechten mit dem Gegenstand der Religion auch hinbekommen."

Auch im deutschen Kontext sei das Thema wichtig. Der Neo-Integralismus stammt von hier, selbst in der CDU fänden sich Stränge. Auch der Anti-Inklusionismus der AfD wird von Barbara Engelmann in einen religiösen Kontext gestellt, mit Ableismus der sowohl von der Eugenik des Nazi-Regimes als auch von Bildern der Blinden und Lahmen in der Bibel gespeist wird. Religion und rechte Ideologie, die sich gegenseitig füttern.

"Deswegen müssen wir als Theologen aufmerksamer reagieren, was denn da abgegrast werden kann, was aufgegriffen werden kann", zieht Möhring-Hesse sein Fazit. "Und sollten unterscheiden können, ob man das, was abgegrast werden kann, schützen kann, weil es schützenswert ist. Oder ob das was abgegrast werden kann eben deshalb missbraucht werden kann, weil der Missbrauch schon vorgesehen ist."

Eine kritische Auseinandersetzung nicht nur mit der extremen Rechten und wie sie die Religion nutzt, sondern auch mir der Religion selbst und was sie der Rechten an Nährboden bietet. Zwischen Antifeminismus, Apokalypsebildern und Antisemitismus wird vieles beleuchtet, das nicht neu, sondern schon lange im Glauben gang und gäbe ist.


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