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Katar

Foto: pixabay.com
Sportbischof hält "Freude am Sport" bei WM für berechtigt - und die Kritik

Der Sportbischof der Deutschen Bischofskonferenz, Dr. Stefan Oster, hält die "Freude am Sport" für berechtigt, trotz aller Negativaspekte der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar. Kritik sei aber ebenfalls wichtig und angemessen.

"Als Sportbischof der Deutschen Bischofskonferenz möchte ich den Fans, die vor Ort und in den Medien die WM verfolgen werden, kein schlechtes Gewissen einreden", betont Dr. Stefan Oster. "Viele freuen sich auf dieses globale Sportereignis, bei nicht wenigen aber gibt es auch Bedenken, Skepsis und Ablehnung. Nach wie vor wird gefragt, wie es dazu kommen konnte, dass ausgerechnet Katar vor zwölf Jahren von den FIFA als Austragungsland ausgewählt wurde. Die Kritik an dieser Entscheidung hat sich in den zurückliegenden Jahren sogar verstärkt."

"Freude am Sport hat ihr eigenes Recht"

Für Bischof Oster hat die "Freude am Sport, auch an weltweiten Mega-Events", ihr eigenes Recht, "auch wenn sie durch die extreme Kommerzialisierung gerade des Fußballs getrübt sein mag".

Aber es sei trotzdem richtig, die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Katar kritisch in den Blick zu nehmen, erklärt Oster: "Das Emirat hat sich für die Weltmeisterschaft 2022 beworben, um seine internationale Bedeutung zu unterstreichen und an Reputation zu gewinnen. So ist es nur angemessen, dass in diesen Tagen der Scheinwerfer der Öffentlichkeit auf das Land gerichtet wird und auch die problematischen Aspekte ausgeleuchtet werden."

Kritischer Blick auf Lebens- und Arbeitsbedingungen

Besondere Aufmerksamkeit verdienen laut Bischof Oster die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeitsmigranten, die die Sportstätten errichtet und die Infrastruktur des Landes in den zurückliegenden Jahren ausgebaut haben. "88 Prozent der Wohnbevölkerung in Katar sind Ausländer. Sie haben wenige Rechte und unterliegen einem strengen Reglement, das auf einer weitgehenden Abhängigkeit von den Arbeitgebern aufruht. Diese Situation ist nicht neu und wurde durch die Vorbereitungen der WM auch nicht geschaffen. Aber sie hat sich wegen der vielen Projekte, die in diesem Zusammenhang angestoßen wurden, erheblich verschärft", so Oster.

"Der Arbeitsschutz auf den Baustellen war lange katastrophal, was vor allem bei der Errichtung der Stadien zu einer Unzahl von Unfällen und viel zu vielen Toten geführt hat. Die internationalen Proteste von Gewerkschaften und Menschenrechtsorganisationen haben inzwischen zu einer Besserung der Lage geführt: Die Sicherheit auf den Baustellen wurde erhöht, das Arbeitsrecht verschärft. Befriedigend gelöst werden konnten die Probleme aber nicht; weiterhin gibt es Defizite bei der Umsetzung der Gesetze, besonders bei den erforderlichen Kontrollen", merkt Bischof Oster kritisch an.

"Die vielen Toten und Verletzten bleiben die dunkle Unterseite einer monumentalen Bauleistung, die angesichts des Glanzes der fertiggestellten Arenen nicht in Vergessenheit geraten darf." Dr. Stefan Oster, Sportbischof der Deutschen Bischofskonferenz 

"Auch sind manche Vorkommnisse mit Todesfolge bis heute nicht aufgeklärt worden, und die Forderung nach einer einwandfreien Überprüfung bleibt deshalb bestehen", mahnt Oster. "Die vielen Toten und Verletzten bleiben die dunkle Unterseite einer monumentalen Bauleistung, die angesichts des Glanzes der fertiggestellten Arenen nicht in Vergessenheit geraten darf. Als besonders schwierig wird auch die Situation weiblicher Hausangestellter angesehen, die oft isoliert arbeiten und nur schwer ihre Rechte gegenüber den Arbeitgebern durchsetzen können."

Oster erklärte weiter:

"Wie andere Staaten der Arabischen Halbinsel wurde auch das Emirat Katar in den vergangenen Jahrzehnten durch seinen Öl- und Gasreichtum in ein neues Zeitalter katapultiert. Heute koexistieren eine konservativ-traditionelle islamische Gesellschaft und eine wirtschaftliche Hypermoderne miteinander. Es wäre ungerecht, bei der notwendigen Kritik an fragwürdigen Zuständen diese besondere Situation auszublenden. Aber es wäre auch unangemessen, die eingeschränkten Menschenrechte zu verschweigen. Frauen sind in Katar weiterhin zurückgesetzt. Nicht islamischen Religionen, auch das Christentum, die unter den Arbeitsmigranten stark vertreten sind, wird Freiheit nur in eingeschränktem Maße zugebilligt. Sexuelle Minderheiten unterliegen strafrechtlicher Verfolgung. All dies ist (nicht nur in westlicher Sicht) Ausdruck einer repressiven Staats- und Gesellschaftsordnung, die sich nur langsam verändert.

Manche der an der Weltmeisterschaft beteiligten Verbände und Sportler haben sich entschieden, mit besonderen Aktionen vor oder während der Veranstaltung auf die schwierige Situation aufmerksam zu machen. Das ist zu begrüßen, sofern nicht Selbstdarstellung und ein moralisch-kulturelles Überlegenheitsgefühl diese symbolischen Handlungen bestimmen. Im Übrigen wird noch zu prüfen sein, ob die Verbände - wie zu Recht immer wieder gefordert - ihre Vertragspartner in Katar, z. B. die Hotels, auch nach Menschenrechtskriterien ausgewählt haben und wie sie sich konkret gegenüber dem berechtigten Anliegen verhalten, einen Fonds zu unterstützen, aus dem Arbeiter und ihre Familien für Rechtsverstöße entschädigt werden können.

Viele Fans haben von einer Reise nach Katar abgesehen. Diese Haltung verdient Respekt, kann aber von niemandem eingefordert werden. Wer zur Unterstützung seiner Nationalmannschaft den Weg nach Katar antritt, sollte aber allen, denen er dort begegnet, beispielsweise Hotelangestellten und Taxifahrern, angemessen gegenübertreten. Ohne sich protzig zu verhalten, ist dabei immer auch zu bedenken, dass aus dem Ausland kommende Dienstleistungskräfte mit ihrem oft nur sehr kleinen Gehalt ihre Familien in der Heimat unterstützen.

Die Erfahrung lehrt, dass sportliche Großereignisse wie Weltmeisterschaften und Olympische Spiele die gesellschaftliche und politische Situation in den Austragungsländern üblicherweise nicht langfristig verbessern. Gerade deshalb bleibt es die Aufgabe der internationalen Gemeinschaft, auch nach der Beendigung der WM in Katar die Reformkräfte im Land weiter zu unterstützen und in der Aufmerksamkeit für die Menschenrechte nicht nachzulassen."


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