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Petersplatz in Rom Kirchenfenster Kerzen Kreuze im Sonnenuntergang

Rottenburg

Foto: RTF.1
Ende einer Ära: Bischof Gebhard Fürst geht in den Ruhestand

Über 23 Jahre hinweg stand Bischof Gebhard Fürst an der Spitze der Diözese Rottenburg Stuttgart und sah sich damit in der Verantwortung für die rund 1,8 Millionen Katholiken in Baden-Württemberg. Wie es das Kirchenrecht vorsieht, hat Fürst zu seinem 75. Geburtstag am 2. Dezember beim Papst um seinen Rücktritt ersucht und Franziskus hat seinem Anliegen stattgegeben. Mit der offiziellen Verabschiedung des Bischofs aus seinem Amt, ist jetzt eine Ära zu Ende gegangen.

Die Rottenburger Festhalle am Samstagmittag. Zahlreiche geladene Gäste, darunter auch Prominente aus Politik und Verwaltung, waren gekommen, um Bischof Gebhard Fürst zu seinem fünfundsiebzigsten Geburtstag zu gratulieren und sich gleichzeitig von ihm als Amtsträger zu verabschieden.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann war in doppelter Funktion da, denn ihn verbindet seit vielen Jahren eine Freundschaft mit Gebhard Fürst – schon vor seiner Zeit als Bischof: "Ich glaube, wir hatten ein sehr ähnliches Grundverständnis, wie man mit Menschen umgeht, dass man sie in ihrer Verschiedenheit akzeptiert, und das kann man nur, wenn man ihnen richtig zuhört, also ihnen Aufmerksamkeit schenkt und vor ihrer Meinung Respekt hat", so Kretschmann.

 

Vorreiter in Umwelt- und Klimaschutz

In seiner Ansprache ging dann Winfried Kretschmann kurz auf die verschiedenen Stationen Fürsts ein – als Doktorand, als Leiter der diözesanen Akademie und schließlich als Bischof. Hier hob Kretschmann vor allem Fürsts Bemühen hervor, den Glauben in einer säkularen Welt anschlussfähig zu halten.

"Klar, ein einzelner Bischof kann den Trend nicht umkehren", so Kretschmann, aber Bischof Fürst hat wenigstens, dass der Glaube und die Kirche im Kontakt mit den Menschen bleibt, indem er erstens zu aktuellen Herausforderungen Stellung bezog, den Menschen Orientierung bot", sagte Kretschmann weiter.

Ob bei den Themen Corona oder Geflüchtete oder vor allem auch in der Umwelt- und Klimapolitik. Hier betonte Kretschmann Fürsts Vorreiterrolle: "Er war sehr ökologisch orientiert. Er hat schon eine Photovoltaikanlage auf das Bischofshaus gemacht, wo alle dachten: Muss der das jetzt machen, so ein Blödsinn? Diese Bewahrung der Schöpfung hat er wirklich zum Kern seines Bischofsamtes gemacht."

 

Klare Haltung bei Abtreibung; vorbildlich gegen Missbrauch

Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl von der evangelischen Landeskirche Württemberg hob vor allem die Verdienste Bischof Gebhard Fürsts um die Ökumene hervor, zum Beispiel als es um eine gemeinsame Stellungnahme zum Thema Abtreibung ging:

"Als der Rat der EKD seine Stellungnahme zum Schwangerschaftsabbruch veröffentlicht, haben wir beide uns gemeinsam für die Beibehaltung der bestehenden, mühsam austarierten gesetzlichen Regeln zum § 218 ausgesprochen und die Bedeutung des Schutzes des ungeborenen Lebens betont in ökumenischer Verbundenheit."

Auch das Thema Missbrauch und die Reaktionen von Bischof Gebhard Fürst darauf wurden angesprochen – vom Sprecher des Diözesanrats Johannes Warmbrunn: "Sie, lieber Bischof Gebhard, haben Weitsicht bewiesen, weil sie dem Thema Missbrauch schon unmittelbar nach Ihrer Amtsübernahme die gebotene Aufmerksamkeit gewidmet und frühzeitig eine Kommission ins Leben gerufen haben."

Auch Ministerpräsident Kretschmann hatte viel Lob dafür, wie Bischof Gebhard Fürst mit dem Thema Missbrauch umgegangen war: "Den Missbrauchsskandal hatte er als erster, sehr, sehr vorbildlich gestaltet, wenn das alle so gemacht hätten, hätte die Kirche heute nicht das Problem mit der Aufarbeitung."

 

"Begegnungen mit Menschen haben mich am meisten erfreut"

Generalvikar Clemens Stroppel überreichte Bischof Fürst zum Abschied einen Bildband über dessen Amtszeit. Am Ende des Festakts richtete der scheidende Bischof noch ein paar Worte des Dankes an alle, die bei dieser Feier mitgewirkt und organisiert haben, aber auch an die vielen Menschen, denen er während seiner Arbeit begegnet war. Denn von diesen Begegnungen sei er gestärkt nach Hause gegangen.

"In all den vielen Begegnungen in der Diözese wie auch weltweit ist für mich, und das werde ich jetzt vermissen, die Dimension der Begegnung mit den Menschen in ihren verschiedenen Kulturen und Überzeugungen, das ist das, was mich am meisten in diesen 23 Jahren beeindruckt und erfreut hat", sagte Fürst.

 

Letzter Gottesdienst und Zapfenstreich

Nach dem Festakt folgte das Pontifikalamt im Rottenburger Dom, die letzte Messe, die Fürst in seiner Eigenschaft als Diözesanbischof zelebrierte. Per Videoleinwand wurde die Messe auf den Marktplatz übertragen. Dort konnte, wer wollte, auch die Kommunion empfangen.

Nach dem Gottesdienst ging es nach draußen, denn jetzt folgte der dritte und letzte Akt der Geburtstags- und Abschiedsfeier. Oberbürgermeister Stephan Neher hob die Verdienste von Bischof Gebhard Fürst für die Stadt Rottenburg hervor. Wegen dieser Verdienste erhielt der scheidende Bischof auch die Ehrenbürgerwürde der Stadt:

"Für Rottenburg war es ein besonderer Bischof, er hat sich wahnsinnig für die Stadtentwicklung eingesetzt, der heutige Eugen-Bolz-Platz wäre ohne sein Zutun nicht denkbar, die Renovierung des Verwaltungssitzes, die Konzentration der Arbeitsplätze hat gezeigt: Er bekennt sich zu Rottenburg, Vorkennerbischöfe hatten immer mal wieder geliebäugelt, Richtung Stuttgart zu ziehen..:"

Doch ein Umzug nach Stuttgart war unter Bischof Fürst kein Thema mehr. Wie es allerdings in der Zukunft aussieht, wird sich noch zeigen müssen. Ein Nachfolger steht noch nicht fest, und es kann mehrere Monate dauern, bis der bischöfliche Stuhl wieder besetzt ist. Gebhard Fürst jedenfalls freut sich auf seinen Ruhestand.

"23 Jahre ist eine lange Zeit, und ich glaube, es ist gut, dass es so eine Zäsur gibt, natürlich werde ich viel vermissen, da muss ich auch umstellen, aber ich freue mich jetzt schon auf eine, ich sage mal, eine souveräne Zeitgestaltung."

Mit dem Großen Zapfenstreich auf dem Rottenburger Marktplatz jedenfalls ging der letzte Tag der Amtszeit von Gebhard Fürst zu Ende. Und nachdem die Bürgerwache Rottenburg abgezogen war, folgte noch ein Abend der Begegnung mit Glühwein und Gesprächen.


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